Entwicklung der elektronischen Fahrgastinformationssysteme in den Fahrzeugen

 

Stand 1991

Bordinformationssystem

Automatische Ansagen

Bordcomputer

Außenanzeigen der Straßenbahnen vom Typ SN 2001

Fahrgastfernsehen

Außenanzeigen der Omnibusse von Typ Citaro

Bilder

Neue Bordrechnergeneration

 

Stand 1991

Bis 1991 war es üblich das Fahrziel in einem Kasten in der Frontscheibe, in dem sich ein Rollfilm befand, anzuzeigen. Der Rollfilm bestand aus einem mit den Fahrzielen bedrucken Leinentuch. Die Einstellung des Fahrziels erfolgte in den Straßenbahnen mittels einer Kurbel, die über ein Schneckengetriebe den Rollfilm bewegte. In den Omnibussen geschah dies bereits elektrisch. Für die Anzeige der Liniennummer gab es in den Tatrastraßenbahnen zusätzlich einen separaten Rollfilm mit Ziffern neben den Zielrollfilm. Die Liniennummer stand auch auf bedruckten Papp- oder Plastikschildern, die in die dafür vorgesehenen Halterungen in der Front- und Heckscheibe gesteckt wurden.

In einem Seitenfenster auf der Türseite eines jeden Straßenbahnwagens wurden bedruckte Papp- oder Plastikschilder eingehangen oder eingesteckt. Darauf waren Anfangs-, End-, und wichtige Zwischenhaltestellen sowie die Liniennummer dargestellt. Im Heckfenster befanden sich Vorrichtungen zum Einstecken von Liniennummerntafeln. Für die Omnibusse gab es so etwas nicht.

Die Haltestellennamen in den Tatrastraßenbahnen sollten vom Fahrer mittels Mirofon gesprochen werden. Die Bordsprechanlagen waren sehr störanfällig und damit oft außer Betrieb, da nicht immer die entsprechenden Ersatzteile zur Verfügung standen. Auch kam es vor, dass manche Fahrer die Anlage durch unsachgemäße Bedienung außer Funktion gesetzt haben, um das Ansagen zu umgehen. Die Verständlichkeit der Ansage war je nach Fahrer sehr unterschiedlich. In den Omnibussen war eine derartige Anlage nicht vorhanden.

Mit der Modernisierung der Tatrawagen ab 1991 und der Beschaffung neuer Busse im gleichen Jahr nutzte der Nahverkehr die Gelegenheit ein zeitgemäßes elektronisches Fahrgastinformationssystem einzuführen.

Bordinformationssystem

Im Jahre 1991 stand die Aufgabe die Fahrgäste qualitativ besser und vielfältiger zu informieren. Dabei wurde auch Wert auf eine gewisse Flexibilität in Bezug auf planbare Linienänderungen gelegt. Zunächst wurden die Straßenbahnen im Rahmen der Modernisierung mit Matrixlinien- und -zielaußenanzeigen und Haltestelleninnenanzeigen ausgerüstet. Nachdem der erste Zug festiggestellt war, begann wenig später die Umrüstung aller im Frühjahr 1991 beschafften Omnibusse. Spätere Buslieferungen besaßen diese Ausrüstung bereits ab Werk.

Zur Steuerung der einzelnen Geräte war ein kleiner Bordcomputer auf dem Fahrerpult vorhanden. Für die Datenversorgung stand dem Fahrplanbüro einen Editor für Informations-Systeme (EIS) der Firma Krüger aus Schenefeld bei Hamburg zur Verfügung. In drei Schritten konnten die notwendigen Daten erzeugt werden. Im ersten Schritt waren die Fahrziele zu erstellen. Im zweiten Schritt erzeugte man alle notwendigen Haltstellendaten. Im dritten Schritt fand die Datenzusammenstellung für die einzelnen Routen statt. So erhielt jeder Fahrweg seine eigene Route.

Nach der Übergabe der Daten auf das Fahrzeug mittels Mastergerät war der Fahrer in der Lage vor Beginn einer jeden Fahrt die entsprechende Route am Bordcomputer einzustellen. Das Gerät gab dann die Einstellbefehle an die einzelnen Anzeiger. Nach jeder bedienten Haltestelle war dann die Haltestelle um eine Position vor zuschalten, um die Daten für die folgende Haltestelle aufzurufen.

Nach einigen Hinweisen der Fahrgäste wurde die Innenanzeige um die Liniennummer ergänzt. Hintergrund dieses Wunsches war, dass bis dahin der Fahrgast auch im Wageninneren der Straßenbahnen vom bis dahin verwendeten Seitenschild erkennen konnte, mit welcher Linie er nun gerade fuhr. Fortan waren die ersten beiden Stellen der Innenanzeige für die Liniennummer reserviert. So gab es nun jede Haltestellenanzeige so oft, so viele Linien an ihr hielten.

Mit der Einführung der Bordcomputer beschränkte sich der Einsatz dieses System auf die Erstellung der Zieltexte. Diese Daten wurden dann über eine ASCII-Schnittstelle beim Erzeugen der Daten für den neuen Bordrechner übernommen.

Automatische Ansagen

Im Jahre 1996 sollte die Haltestellenansage automatisiert werden. Die Firma Meister Elektronik lieferte dazu im Juni die notwendige Hard- und Softwarekomponenten. Parallel dazu mietete der Nahverkehr ein Tonstudio des Norddeutschen Rundfunks (NDR) im Schweriner Funkhaus samt Sprecherin, um die Haltestellenansagen professionell und in guter Qualität digital zu erzeugen. Dieses Verfahren hatte aber in der Folge einen wesentlichen Nachteil: nicht immer konnte zeitnah auf Veränderungen im Streckennetz, vor allem bei Baustellen, reagiert werden, da entweder das Studio oder die Sprecherin nicht sofort zur Verfügung standen. Auch unterschieden sich nachträglich gesprochene Texte in Tonfall und Geschwindigkeit immer leicht von den Erstaufnahmen. Nach dem die Arbeiten im Tonstudio beendet waren, begann die Weiterverarbeitung im Fahrplanbüro. So musste zunächst der gesprochene Text am Computer in einzelne Wortfragmente zerlegt werden. Anschließend waren die einzelnen Fragmente zu einer der entsprechenden Haltestelle gehörenden Ansagesequenz zusammen zufassen.

Die bereits beschriebenen Nachteile bei der Fragmenterzeugung der menschlichen Ansage sollte im Jahre 2004 beseitigt werden. Dazu beauftragte der Nahverkehr die Firma Meister Elektronik, die auch das vorhandene Sprachsystem beim NVS eingerichtet hatte, nach Möglichkeiten zu suchen, die erforderlichen Sprachdaten am Computer per Tasteneingabe zu erzeugen. Dabei sollte es möglich sein, die vorhandenen menschlichen Sprachdaten und die in den Fahrzeugen vorhandenen Geräte weiter zu verwenden. Die Firma bot eine neue Software zur Erzeugung und Verwaltung der Sprachdateien in einer Datenbank, mit der Möglichkeit neue Sprachfragmente mit der Computerstimme "Vera" zu erzeugen, an. Im März wurde das Softwarepaket eingeführt. Die Computerstimme hörte sich noch sehr technisch an, entsprach aber dem damaligen stand der Technik. So wurden die vorhandenen Fragmente weitergenutzt und die neuen Fragmente mittels der Computerstimme erzeugt. Das hatte auch einen Vorteil: Durch die veränderte "Stimme" trat ein gewisser Aufmerksamkeitseffekt bei den Fahrgästen ein.

Im April 2005 stand eine neue digitale Sprache zur Verfügung. Diese Sprache mit dem Namen "Steffi" war deutlich menschlicher. So wurde zum Fahrplanwechsel am 7. August 2005 die neue Stimme eingeführt. Zuvor wurde alle Fragmente neu erzeugt. Anfangs traten noch einige Schwierigkeiten bei der Aussprache, vor allem bei Begriffen mit regionalen oder ausländischen Bezug auf. Aber mit Hilfe der vielen Einstellmöglichkeiten bei der Spracherzeugung konnten die "Misstöne" beseitigt werden.

Am 21. April 2005 begann auf den Linien 17 und 18 der Probetrieb zur automatischen Außenansage. Beim Öffnen der Fahrzeugtüren an der Haltestelle werden die Fahrgäste akustisch über die Liniennummer und das Fahrziel informiert. In den nächsten Wochen wurden nach und nach alle Omnibusse und Straßenbahnen damit ausgerüstet.

Bordcomputer

Nach den üblichen Ausschreibungen ging am 9. September 1997 der Auftrag zur die Einführung des fahrzeugautonomen Beschleunigungssystems an die Firma init in Karlsruhe. Ziel war die Verbesserung des Verkehrsangebotes durch Beschleunigung infolge Lichtsignalbeeinflussung und durch höheren Bedienkomfort durch pünktlichen und regelmäßigen Betriebsablauf zu erreichen. Weiterhin soll das Fahrpersonal durch autonome Standortverfolgung und Haltestellenfortschaltung, Auswertung und Anzeige der Fahrplanlage mittels Soll-Ist-Vergleiches, automatische Steuerung der Linien- und Zielanzeigen, Haltestellenanzeigen, Haltestellenansagen und Entwerter sowie die Anschlusssicherung und Überwachung der Zugfolgen. Damit sollte eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Produktivität durch Gewinnung neuer Fahrgäste erreicht werden. Auch eine Überwachung der Fahrscheinverkaufsautomaten gegen unbefugtes Öffnen wurde integriert.

Die Realisierung erfolgte in zwei Stufen. Im der ersten Stufe installierte die Firma init die fahrzeugautonomen Grundfunktionen, wie die Peripheriesteuerung, die fahrzeugautonome Standortverfolgung und die Funkabwicklung. In der zweiten Stufe rüstete der NVS die gesamte Fahrzeugflotte mit der neuen Technik aus. Anschließend begannen die Erweiterung der fahrzeugautonomen Grundfunktionen mit dem Fahrplan Soll-Ist-Vergleich, der Anschlusssicherung, der Zugfolgesicherung und der Übertragung der Fahrzeuglaufleistung an das Werkstattsystem MAXIMO.

Die Übernahme der erforderlichen Fahrplandaten ist mit mittels einer Datenschnittstelle vom Fahrplansystem MICROBUS gewährleistet. Die Übernahme der Außenanzeigendarstellungen fand durch Übernahme der Daten aus dem vorhandenen Zieleditor EIS statt. Nur die Fahrzeugdaten mussten direkt in das System eingepflegt werden.

Im Sommer 2001 kam die Funktion des Fahrgastfernsehens hinzu.

Das alte im Dezember 1995 angeschaffte Fahrgastzählsystem der Firma DILAX war nicht mehr zeitgemäß und entsprach schon seit einiger Zeit nicht mehr den Anforderungen. So ging im Dezember 2004 an die Firma init der Auftrag zur Einführung eines neuen Fahrgastzählsystems. Die vorhandenen Bordrechner übernahmen nun auch die Steuerung dieses Systems. Im März 2005 begannen die ersten Tests.

Im April 2006 wurde das System um die automatischen Außenansagen erweitert.

Nach dem Aufbereiten des Daten wurde diese mit einer Mocard auf den Bordrechner geladen. Diese Arbeitsweise war recht zeitintensiv, da die Datenübertragung ca. 5 Minuten je Fahrzeug dauerte. Im November 2006 begann das Datenladen per lokalem kabellosen Netzwerk (W-LAN).

Außenanzeigen der Straßenbahnen vom Typ SN 2001

Mit der Lieferung der ersten Straßenbahn vom Typ SN 2001 im Sommer 2001 verbesserte sich die Darstellungsmöglichkeiten auf den Außenanzeigen. Die Anzeiger der Firma Annax waren größer. Im Dunkeln konnte durch den Einsatz von Leuchtdioden die Lesbarkeit deutlich verbessert werden.

Fahrgastfernsehen

Ebenfalls mit der Lieferung der neuen Niederflurwagen begann die Ära des Fahrgastfernsehens. Hier werden während der Fahrt in einer Bildpräsentation Informationen über die Linie, das Fahrziel, die nächsten Haltestellen und Umsteigemöglichkeiten an der folgenden Haltestelle angezeigt.

Zu planbaren Umleitungen oder anderen Verkehrseinschränkungen können die Fahrgäste bereits im Vorfeld der Maßname gut informiert werden.

Bei geöffneten Türen erhält der Fahrgast Hinweise über die Linie und das Ziel der Fahrt.

Auch sind Werbungen, Veranstaltungshinweise und Grüße an die Fahrgäste zu besonderen Anlässen möglich.

Der Bordrechner sendet die nötigen Datentelegramme (Linie, Route, Fahrziel und Folgehaltestelle) an den im Fahrzeug vorhandenen Industriecomputer. Dieser wertet die Telegramme aus und ruft die entsprechende Datei auf.

Außenanzeigen der Omnibusse vom Typ Citaro

Mit der Lieferung der ersten Citaro-Omnibusse im Mai 2005 führe der Nahverkehr ein neues Außenanzeigesystem der Firma Apricot ein. Diese bestanden nun ausschließlich aus Leuchtdioden, die je nach Helligkeit der Umgebung unterschiedlich stark leuchten. Nun gab es auch die Möglichkeit Grafiken darzustellen, da die dazugehörige Software in der Lage ist, jede Leuchtdiode einzeln zu editieren. Erstmals gab am Heck neben der Liniennummer nun auch eine Fahrzielanzeige.

 

Bilder

 

Fahrgastfernsehen und Innenanzeige am ersten Gelenk in einer Niederflurstraßenbahn vom Typ SN 2001.
Foto: Axel Aurich (03.02.07)

Linien- und Zielanzeige in einer Niederflurstraßenbahn vom Typ SN 2001.
Foto: Axel Aurich (14.03.07)

Bordrechner der Fa. Init in einem Straßenbahntriebwagen vom Typ SN 2001.
Foto: Axel Aurich (30.03.07)

Linien- und Zielanzeige an den Omnibussen.
Diodenanzeiger der Fa. Apricot in den Citaros von 2004.
Foto: Axel Aurich (30.03.07)

 

Neue Bordrechnergeneration

Seit vielen Jahren plant, steuert und optimiert die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) ihre Fahrzeuge erfolgreich mit Systemen der IVU Traffic Technologies AG. Um die Qualität ihres Verkehrsangebots für die Fahrgäste noch weiter zu verbessern, hat die NVS nun auch die gesamte Software für die ITCS (Intermodal Transport Control System) Leitstelle bei der IVU bestellt. So werden die Fahrgäste zukünftig nicht nur besser informiert, sondern können auch Anschlussverbindungen leichter erreichen und Fahrscheine bargeldlos erwerben.

Ein wichtiges Ziel ist es, die Qualität ihres Verkehrsangebots stetig zu verbessern. Daher sollen ihre Fahrgäste in Zukunft nicht nur über die Abfahrtzeiten an der aktuellen Haltestelle, sondern auch über Anschlüsse und eventuell abweichende Betriebsabläufe an der nächsten Haltestelle informiert werden. Durch die erweiterte Anschlusssicherung können Reisende noch während der Fahrt ihre Route ändern und mögliche Wartezeiten deutlich verkürzen. Und die Fahrausweise können künftig mittels EC-Karte einfach und bequem im Bus oder in der Bahn erworben werden.

Auch die Kommunikation zwischen Fahrern und Disponenten wird verbessert. Der bisher verwendete analoge Betriebsfunk wird nun komplett auf den modernen und leistungsfähigen Mobilfunkstandard Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) für Daten und Sprache über VoIP (Internet Telefonie) umgestellt. Aufgrund höherer Datenübertragungsraten erreichen Informationen die Disponenten nun deutlich schneller und auch Absprachen mit Fahrern werden beschleunigt. Mit der neuen Technik wird die Leitstelle umgehend über die Standorte ihrer Fahrzeuge informiert und kann auf Ausfälle flexibler reagieren.

Neu ist auch die Pausen- und Lenkzeitüberwachung, welche mit dem IVU-System eingeführt wird. Zukünftig können die Disponenten nicht nur den Einsatz der Fahrzeuge optimieren, sondern auch besser auf gesetzlich vorgeschriebene Lenkzeitunterbrechungen und damit die Gesundheit ihrer Fahrer achten. So kann auf schnellem Wege kontrolliert werden, ob ein Fahrer für den nächsten Einsatz zur Verfügung steht oder ob er zuvor noch die vorgeschriebene Ruhezeit einhalten muss.

Bereits zum Ende des Jahres soll das Leitsystem in den Testbetrieb gehen. Alle 30 Straßenbahnen und 40 Busse  werden dann mit der notwendigen Soft- und Hardware aus dem Hause IVU ausgestattet.

 

 

© 24.08.10 Axel Aurich www.schweriner-nahverkehr.de