Stromversorgung
Stand: 14. September 2011

 

Die Schweriner Straßenbahn wird wie fast alle elektrischen Nahverkehrsmittel weltweit mit Gleichstrom betrieben. Die Entscheidung für den Gleichspannungsbetrieb liegt über 100 Jahre zurück. Damals konnte auf den Fahrzeugen eine Umwandlung von Wechselspannung in Gleichspannung weder wirtschaftlich noch räumlich realisiert werden. Für den Fahrbetrieb von Straßenbahnen oder Vorortbahnen hat jedoch ein Gleichspannungsmotor die beste Charakteristik. Außerdem konnte man die Motordrehzahl technisch sehr einfach über Vorwiderstände regeln. Heute rüsten die Hersteller die Straßenbahnfahrzeuge meist mit Drehstrommotoren aus. Im Gegensatz zum Gleichstrommotor hat der Drehstrom-Asynchronmotor ein günstigeres Masse-Leistungs-Verhältnis. Dies heißt, große Antriebsleistung bei kleinem Volumen und etwa einem Drittel geringerer Masse. Daraus ergibt sich eine größer konstruktive Freiheit im verfügbaren Raum. des Fahrwerkes, was gerade bei Niederflurbahnen besonders wichtig ist. Ein großer Vorteil ist der geringe Wartungsaufwand, da es außer den Rollenlagern keine rotierenden und verschleißenden Teile gibt. Der größere nutzbare Drehzahlbereich, sowie die Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Schmutz sind weitere Vorzüge. Dazu wird auf den Fahrzeugen die Gleichspannung in Drehstrom umgewandelt. Nachteil der Gleichspannung sind die im Verhältnis zur Wechselspannung großen Übertragungsverluste. Deshalb ist der Abstand der Unterwerke und der Einspeisepunkte bei Straßenbahnbetrieben deutlich kürzer als bei Eisenbahnstrecken, die mit Wechselspannung elektrifiziert sind.

In Schwerin beträgt die Spannung 720 Volt. Dabei sind Differenzen von +20 bis -30% zulässig. Der Bahngleichstrom ist nicht absolut gleichgerichtet, sondern besitzt einen geringen Anteil an Oberwellen.

In den Gleichrichterunterwerken formen Transformatoren aus dem Drehstrom mit einer Spannung von 20 kV, der von den Stadtwerken Schwerin bezogen wird, den für den Fahrbetrieb erforderlichen Gleichstrom. Jeder Transformator ist ein Silizium-Gleichrichter nachgeschaltet, der den herabgespannten Drehstrom in Gleichstrom wandelt. Je nach Größe des zu versorgenden Bahnnetzbereiches und der Belastung sind die Unterwerke mit unterschiedlich vielen Transformator-Gleichrichtereinheiten ausgestattet. Alle speisen eine gemeinsame Gleichspannungssammelschiene. Eine weitere so genannte Umgehungssammelschiene dient als Reserve. Die Sammelschienenspannung liegt wegen den Übertragungsverlusten max. 20% über der Nennspannung. Eine weitere Sammelschiene, die Rückleitungssammelschiene, ist mit den Schienen der einzelnen Speiseabschnitte verbunden. Die einzelnen Speiseabschnitte werden über Gleichstromschalter versorgt. Für Reservezwecke dient ein zusätzlicher Streckenersatzschalter.

Die Gleichrichterunterwerke sind heute durch Lichtwellenleiterkabel mit dem Betriebshof verbunden und können ferngesteuert, überwacht und geschaltet werden.

Durch die völlige Erneuerung des Wagenparks fanden in den Jahren von 1997 bis 2011 erhebliche Investitionen von rund 11,9 Millionen Euro in die Stromversorgung der Schweriner Straßenbahn statt.

Die früheren Tatrafahrzeuge benötigten beim Anfahren kurzzeitig sehr viel Strom. So war die Stromversorgung bisher von relativ kurzen Speiseabschnitten mit jeweils zwei parallel geschalteten Einspeisungen gekennzeichnet. Auf besonders stark belasteten Strecken waren für jede Richtung sogar eigenständige Speiseabschnitte vorhanden. Mit der Einführung der Choppersteuerung in diesen Fahrzeugen war es nun möglich die beim Bremsen entstehende Energie nicht einfach in Wärme umzuwandeln, sondern konnte diese in das Fahrleitungsnetz zurückspeisen. Dies funktioniert aber nur, wenn der zurück gespeiste Strom sofort von einem anderen Fahrzeug verbraucht wird. Dies ist aber bei den kurzen Speiseabschnitten eher selten der Fall. So begann der Nahverkehr nach und nach die Speiseabschnitte im Rahmen von Neu- oder Umbauten der Gleichrichterunterwerke zu verlängern. Mit der neuen Technik in den Unterwerken ist es nun auch möglich einen Speiseabschnitt von zwei benachbarten Unterwerken gleichzeitig zu speisen. Dabei ist sichergestellt, dass beide Unterwerke bei Netzüberlastung (z.B. Kurzschluss) gleichzeitig die Stromversorgung des betreffenden Abschnittes unterbrechen.

 

Einspeisung mit Streckentrenner in der Lübecker Straße nähe Platz der Freiheit
Foto: Axel Aurich

 

In Schwerin sind zur Zeit folgende Unterwerke in Betrieb:

Unterwerk

Hersteller

Inbetriebnahme

Einspeisungen

Lobedanzgang

Elpro Berlin

23.12.1996

E20, E19, E18, E17

Fliederberg

Haase Brüsewitz

21.10.1999

E27, E26

Platz der Freiheit

Haase Brüsewitz

08.09.2000

E26.1, E25, E20.1

Julius-Polenz-Straße

Haase Brüsewitz

18.07.2002

E28, E27.1

Haselholz

Elpro Berlin

18.07.2002

E7, E8, E36, E37, E39, E40, E41

Slüterufer

Haase Brüsewitz

26.02.2004

E15, E17.1, E16

Wismarsche Straße

Balfour Beatty Rail Berlin

02.03.2005

E24, E23, E22, E21

Gartenstadt

Elpro Berlin

04.06.2008

E16.1, E6, E7.1

Berliner Platz

Elpro Berlin

11.06.2008

E6.1, E5

Lomonossowstraße

Elpro Berlin

15.12.2009

E5.1, E4, E3

Heizkraftwerk

Elpro Berlin

13.04.2011

E8.1, E9

 

Zur besseren Veranschaulichung der einzelnen Speiseabschnitte geht es hier zu einer Grafik als PDF-Datei.

 

© 20.04.09 Axel Aurich www.schweriner-nahverkehr.de